2021

Georg Horcher / Andreas Langer: Zum 80. Geburtstag von Bernd Maelicke

Am 26.04. wird Prof. Dr. Bernd Maelicke 80 Jahre alt. Der Jubilar ist Gründungsdirektor und langjähriger Leiter des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft (DISW) mit Sitz in Kiel und Hamburg. Mit der Etablierung des Institutes setzte Bernd Maelicke seine Schaffensperiode als Sozialunternehmer fort, in der er als ein exzellenter Kenner, Kritiker und Reformer des Strafvollzugs und Nestor des Sozialmanagements sowie der Modernisierung der Sozialwirtschaft zwei Handlungsfelder mitentwickelt und entscheidend mitgeprägt hat. In allen seinen Beiträgen ging es Bernd Maelicke immer um die Schnittstelle und die Verknüpfung von Theorie und Praxis.

An dieser Stelle soll es insbesondere um die Verdienste im Bereich der Sozialwirtschaft und des Sozialmanagements gehen.

Bernd Maelicke hat inmitten aller Uneinheitlichkeit und fehlender Eindeutigkeit des Begriffs „Sozialwirtschaft“ entscheidend dazu beigetragen, dass Sozialwirtschaft  als Teil der Volkswirtschaft zu verstehen ist, und hier insbesondere als das Wirtschaften mit sozialen Gütern zu Verbesserung der gesellschaftlichen Wertschöpfung – bei ständiger dynamischer Entwicklung..

Im Zentrum seines Managementverständnisses stand immer der Dialog, der Dialog mit der Führungskräfte in den sozialwirtschaftlichen Organisationen mit den Mitarbeitenden und der Dialog der sozialwirtschaftlichen Organisationen mit den Nutzer:innen. Die Steuerung dieser dynamischen Entwicklungen auf der Ebene der sozialen Organisationen ist dabei die Aufgabe des Sozialmanagements. Es ging Bernd Maelicke nicht um die „Verbetriebswirtschaftlichung“, die unreflektierte Übernahme betriebswirtschaftlicher Instrumente zur Optimierung der wirtschaftlichen Betriebsergebnisse sozialwirtschaftlicher Unternehmen, sondern um die Optimierung der Qualität sozialer Dienstleistungen. Bernd Maelicke hat wesentlich mit dazu beigetragen, dass die mit der Einführung managementorientierter Steuerungsansätze (New-Public-Management) und der Outputorientierung verbundenen Befürchtungen einer Deprofessionalisierung der Sozialen Arbeit durch eine managerielle Fremdsteuerung nicht eingetreten sind. Statt dessen hat Bernd Maelicke durch seine Beiträge zur Professionalisierung der Sozialwirtschaft als Disziplin und Professionalität beigetragen, was sich z.B. in der festen Verankerung dieser Inhalte im Kern-Curriculum Sozialer Arbeit widerspiegelt: Er stand und steht für ein Verständnis von Sozialmanagement, das darin besteht, ökonomische Prinzipien auf Leistungsbereiche anzuwenden, die nur sehr begrenzt markt- und wettbewerbstauglich sind, bei gleichzeitiger Beachtung der normativen, ethischen und professionellen Kriterien der Erbringung sozialer (Dienst)Leistungen. Er sah und sieht, mit Armin Wöhrle ausgedrückt, im „Sozialmanagement und Management in der Sozialwirtschaft“ eine, für die Entwicklung sozialwirtschaftlicher Organisationen, notwendige Professionalisierungsstrategie.[1]

Dass Sozialmanagement nicht die unreflektierte und unkritische Bindung der Sozialarbeiter:innen an formal-organisatorische Strukturen und bürokratische Abläufe bedeuten kann, sondern die Bindung der Professionellen an sozialwissenschaftliche und ethische Maßstäbe und an kollegiale Kontrolle, zeigte Bernd Maelicke in seinem stetigen Vorantreiben des Ansatzes eines ‚Reso-Managements‘. Die Widersprüche betriebswirtschaftlicher Rationalitätsprinzipien und der professionsethischen Standards der Sozialen Arbeit löste er durch die Zusammenführung des Wissens aus der Sozialen Arbeit mit Managementaspekten z. B. der Unternehmensführung, des Qualitätsmanagements oder des Controlling. Sozialmanagement im Verständnis von Bernd Maelicke berücksichtigt die spezifischen gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen und professionellen Rahmenbedingungen der sozialwirtschaftlichen Unternehmen. Am Beispiel des Reso-Managements‘ wird deutlich: Nur in der Zusammenschau seines Fachwissens ‚Resozialisierung‘ mit der dezidierten sozialwirtschaftlichen Expertise der strukturellen Rahmenbedingungen und deren Reformkonditionen konnte Bernd Maelicke zum Treiber und ‚Change-Agent‘ sozialer Innovation in diesem Feld werden.

Insofern hat Bernd Maelicke gezeigt, dass der Nutzen und die Notwendigkeit von Sozialmanagement und Sozialwirtschaft die Organisationsgestaltung sozialer Einrichtungen und Dienste unabweisbar,  akzeptiert und etabliert ist und diese gleichzeitig übersteigt. Dazu hat Bernd Maelicke wesentlich beigetragen.

[1] Wöhrle (2013): Theoriebildung zu Sozialmanagement und Management in der Sozialwirtschaft. In: Grunwald/ Horcher/ Maelicke (Hg.): Lexikon der Sozialwirtschaft. Baden-Baden S. 1036 – 1042